Joachim Król gehört zu den versiertesten und bekanntesten deutschen Darstellern. Entscheidend prägte er den Aufbruch des jungen deutschen Kinos in den 90er Jahren mit. Seine Zusammenarbeit mit Regisseur*innen wie Detlev Buck, Sönke Wortmann, Tom Tykwer, Caroline Link oder Ralf Huettner - nur um einige zu nennen - gab dem deutschen Film ein unverkennbares Gesicht. Seither ist Król aus der Film- und Kinolandschaft nicht mehr wegzudenken. Oft war Joachim Król Gast bei den Hofer Filmtagen. Er begleitete die Regisseur*innen zu Premieren ihrer Filme und war zudem Stürmer beim FC Hofer Filmtage, der Fußballmannschaft der Filmemacher. Er wurde mit den Deutschen Filmpreis ausgezeichnet und begeisterte als Preisträger des „Filmpreis der Stadt Hof“ 2000 das Publikum. Wir freuen uns sehr, diesen leidenschaftlichen Theater- und Filmschauspieler in Hof begrüßen zu können, und mit ihm gemeinsam eine Auswahl seiner Filme zu präsentieren.

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Programm

Datum
Uhrzeit
Ort
Title
Mittwoch, 27.10
14:30
Classic
Wir können auch anders
Mittwoch, 27.10
22:00
Classic
Die tödliche Maria
Donnerstag, 28.10
11:45
Club
Die tödliche Maria
Donnerstag, 28.10
15:00
Classic
Der bewegte Mann
Donnerstag, 28.10
17:15
Club
Wir können auch anders
Donnerstag, 28.10
20:00
Classic
Die Stunde des Lichts
Donnerstag, 28.10
22:45
Classic
Gloomy Sunday - Ein Lied von Liebe und Tod
Freitag, 29.10
12:15
Club
Der bewegte Mann
Freitag, 29.10
14:45
Club
Die Stunde des Lichts
Freitag, 29.10
17:30
Club
Gloomy Sunday - Ein Lied von Liebe und Tod
Freitag, 29.10
20:45
Classic
Lautlos
Freitag, 29.10
23:00
Classic
You'll never walk alone: Die Geschichte eine Fußballhymne
Samstag, 30.10
13:15
Club
You'll never walk alone: Die Geschichte eine Fußballhymne
Samstag, 30.10
15:45
Club
Lautlos
Samstag, 30.10
17:30
Classic
Der Junge muss an die frische Luft
Samstag, 30.10
20:00
Cinema
Mackie Messer - Brechts Dreigroschenfilm
Sonntag, 31.10
12:00
Club
Mackie Messer - Brechts Dreigroschenfilm
Sonntag, 31.10
14:45
Club
Der Junge muss an die frische Luft

Filme

Die tödliche Maria

Die tödliche Maria - Poster 1

die wunderbare produktionsleiterin und produzentin milanka comfort hatte während der laufenden dreharbeiten von ‚wir können auch anders‘ (damals lautete der Titel noch ‚unternehmen victor‘) muster und filmausschnitte mit mir gesehen. ungewöhnlich, sie hatte nämlich eigentlich nichts mit unserem film zu tun. andererseits war das junge, unerfahrene produktionsteam um claus boje dankbar für jede kritik, besonders, wenn sie von einer so vertrauenswürdigen und kompetenten person wie milanka comfort kam. mein glück. denn milanka comfort war gerade bei der vorbereitung eines spielfilmdebuts in verlegenheit. der junge tom tykwer hatte sich für die männliche hauptrolle in seinen film ‚die tödliche maria‘ niemand geringeren als die truffaut-legende jean-pierre léaud in den kopf gesetzt. das engagement ließ sich jedoch nicht realisieren, sodass tom tykwer sich in relativ kurzer zeit für jemand anderen entscheiden musste. Da schlug ihm milanka comfort, unter dem eindruck des bei boje/buck gesehenen materials, ein treffen mit mir vor.

wir trafen uns in einem lokal in berlin-charlottenburg, und in den folgenden neunzig minuten erzählte mir tom tykwer gewissermaßen in echtzeit das komplette drehbuch, von der ersten bis zur letzten szene. wobei ‚erzählen‘ nicht das richtige wort ist. tom tykwer lebte mir ‚die tödliche maria‘ vor. eine zutiefst beeindruckende vorstellung. ich war fasziniert von der geschichte und diesem filmnarren. unser treffen endete mit seiner bitte, doch die paar weißbiere zu übernehmen, die wir getrunken hatten, weil er überhaupt kein geld dabei habe. spätestens jetzt war ich davon überzeugt, dass dieser mann seinen weg im filmgeschäft machen würde. und ich freute mich darüber, das erste stück mitgehen zu dürfen.

Datum
Uhrzeit
Ort
Title
Mittwoch, 27.10
22:00
Classic
Die tödliche Maria
Donnerstag, 28.10
11:45
Club
Die tödliche Maria

Wir können auch anders

Wir können auch anders - Poster 1

irgendwo singt david bowie ‚everything’s falling into place‘. meistens nicht. in diesem fall war es so. nach zwei schauspielerisch freudlosen anfängerjahren an einem sehr kleinen theater am niederrhrein und einem recht erfolgreichen, aber folgenlosen gastspiel am staatstheater hannover hielt ich mich mit kleineren fernsehrollen und -auftritten über wasser. mein sohn war unterwegs, und die suche nach dem richtigen theater, das ich nie finden sollte, fast aufgegeben, als mich der anruf der casting-ikone an dorthe braker erreichte. sie schlug mir vor, mich einem jungen regisseur vorzustellen, der gerade mit einer komödie für einige aufmerksamkeit gesorgt hatte. detlev buck. ein freund aus schauspielschultagen hatte sie auf die idee gebracht. das drehbuch kam per post und ein casting wurde verabredet. es war liebe auf den ersten blick. wir machten probeaufnahmen, improvisierten wild herum und schnell war klar, dass buck einen seiner hauptdarsteller und ich den regisseur für meinen, wenn auch nicht ersten, so doch wichtigsten film gefunden hatte. bis auf sehr wenige ausnahmen habe ich nie wieder eine so phantastisch vorbereitete produktion erleben dürfen. hinzu kam, dass ich, als erster besetzt, das komplette weitere casting in meiner rolle als kipp begleitet habe und daher manche szene schon vor dem ersten drehtag mit den verschiedensten partnern dutzendfach gespielt hatte. das ergebnis spricht für sich.

das vielleicht größte kompliment, neben der „lobenden erwähnung der internationalen jury der filmfestspiele in berlin“ und fünf deutschen filmpreisen, war die bildunterschrift zu einem drehbericht in einer ostdeutschen zeitung, das horst krause, detlev buck und mich zeigte. sie lautete: „der regisseur mit seinen behinderten darstellern.

Datum
Uhrzeit
Ort
Title
Mittwoch, 27.10
14:30
Classic
Wir können auch anders
Donnerstag, 28.10
17:15
Club
Wir können auch anders

Der bewegte Mann

Der bewegte Mann - Poster 1

sönke wortmann war mir schon viel früher in einem ganz anderen zusammenhang aufgefallen. nämlich als spieler meines heimatvereins sc westfalia herne 04. persönlich begegneten wir uns das erste mal an einem studentenfilmset in tübingen. ich besuchte einen meiner schauspiellehrer, der dort eine rolle übernommen hatte, sönke wortmann war mitglied der filmcrew. unsere begegnung hatte zwei engagements unter sönke wortmanns regie zur folge. in „die hochzeit des figaro“ und in „wahnsinnsehe“. irgendwann fragte er mich, ob ich die comics von ralf könig kenne. ich kannte sogar ralf könig persönlich. anfang der 80er jahre hatte er mit seiner trümmer-truppe „die emscher sisters“ für aufregung gesorgt, u.a. auch in der eckkneipe VORORT in dortmund, die ich damals zusammen mit sechs anderen verrückten betrieben habe. ralf könig beeindruckte z.b. als „mireille-mathieu-playbackdesaster“. wie ich mich in ralfs knollennasenensemble wiederfinden sollte, war mir schleierhaft. bis mir sönke wortmann seine pläne erklärte und mir die rolle des homosexuellen norbert brommer in aussicht stellte. heute muss ich lachen, wenn ich daran denke, dass mein erster gedanke damals war: sollte ich den norbert brommer spielen, muss unbedingt kommuniziert werden, dass ich nicht schwul bin. 1994. eine andere zeit. ein casting an der filmakademie in ludwigsburg im rahmen eines workshops von sönke wortman brachte dann, allerdings mit kai wiesinger als axel feldheim an meiner seite, die entscheidung. das erarbeitete material überzeugte den produzenten bernd eichinger – und ich hatte die rolle. später sagte er mir, ich sei ihm eigentlich zu alt gewesen, er sei aber sehr, sehr froh, darüber hinweggesehen zu haben.

Datum
Uhrzeit
Ort
Title
Donnerstag, 28.10
15:00
Classic
Der bewegte Mann
Freitag, 29.10
12:15
Club
Der bewegte Mann

Stunde des Lichts

Die Stunde des Lichts - Poster 1

wie oft wünscht man sich ein zusammenspiel von leben, arbeit und erleben. vielleicht sogar von abenteuer. mit ‚when the light comes‘ ging dieser wunsch für mich in erfüllung. meine damalige agentur schickte mir den tagebuchroman ‚waar blijft het licht‘ (wo bleibt das licht) von heleen van der laan mit dem hinweis, das buch solle verfilmt werden und man werde ein treffen mit produzent und regisseur arrangieren. aus praktischen gründen trafen wir uns in einem bahnhofslokal in amsterdam. der produzent kam aus den niederlanden, der regisseur aus belgien, ich aus köln. die geschichte war schnell erzählt, und die beiden gingen dazu über, mir die zu erwartenden bedingungen der dreharbeiten zu erklären. drehort svalbard/spitzbergen. ausschließlich. 78 grad nord. zwei monate im winter mit vierundzwanzig stunden absoluter dunkelheit und langsam zurückkehrendem licht. ein monat im sommer bei vierundzwanzig stunden tageslicht. zu erwartende temperaturen im winter bis zu vierzig grad minus. studiodrehs in dort existierenden hangars, alles andere draußen, in einer landschaft, die aussah, als gehöre sie zu einem fernen eisplaneten. ein team mit zwanzig nationalitäten. wohnen in einer alten bergingenieursunterkunft der nahegelegenen kohlenmine. containerarchitektur. catering ein problem. alkohol von staatswegen strengstens rationiert. aber es hatte schon längst gezündet. ‚when the light comes‘ war eine once in a lifetime-unternehmung. ich musste dabei sein.

an ort und stelle erst einmal sämtliche probleme, die zu erwarten waren, und solche, an die niemand von uns auch nur gedacht hätte. das material spielte verrückt, manche beteiligten kamen besser mit den gegebenheiten zurecht, manche weniger. abgereist ist jedoch niemand. nach elf tagen war kaum ein meter film belichtet. ach ja, was die schauspielerei angeht, vielleicht dies: als ich mich dem arktiserfahrenen produktiondesigner karl juliusson gegenüber etwas besorgt zeigte, sagte der: ‚don‘t worry, joachim. you don‘t play the island, the island plays you!‘

Datum
Uhrzeit
Ort
Title
Donnerstag, 28.10
20:00
Classic
Die Stunde des Lichts
Freitag, 29.10
14:45
Club
Die Stunde des Lichts

Gloomy Sunday - Ein Lied von Liebe und Tod

Gloomy Sunday - Ein Lied von Liebe und Tod - Poster 1

jemand hat mal gesagt: ‚there are three important things about filmmaking. casting, casting, casting‘ ich stimme dem uneingeschränkt zu. wochen- und monatelang hatten mich produzent und regisseur mit ankündigungen in atem gehalten. ein phantastisches drehbuch sei im entstehen, eine großartige produktion im aufbau, und vor allem, man habe eine wunderbare rolle für mich. eine, wie ich sie noch nie gespielt hätte. ich war mehr als gespannt und natürlich skeptisch. trommeln gehört ja bekanntlich zum geschäft. und nicht selten folgt aufs trommeln stille. nicht in diesem fall. das drehbuch von ruth toma, einer unserer besten drehbuchautorinnen, war hervorragend. sie hatte nick barkows roman ‚das lied vom traurigen sonntag‘, der als unverfilmbar galt, äußerst geschickt und behutsam benutzt, die figur der ilona dazuerfunden und das ganze mit einer genialen dramaturgischen klammer versehen. meisterlich. ein sehr vielversprechender beginn. aber über allen noch zu lösenden problemen, die solch ein vorhaben wie ‚gloomy sunday‘ mit sich bringt, stand natürlich die besetzung. ruth tomas buch bot vier gleichberechtigte hauptrollen mit ilona, hans, lászló und andrás. wobei ilona natürlich das strahlende zentrum sein musste. eine schwere aufgabe für die casterin tina böckenhauer. da ich (als lászló) schon besetzt war, bat man mich, als anspielpartner für das ‚casting ilona zur verfügung zu stehen‘.

schon aus eigenem interesse eine selbstverständlichkeit. und fast am ende des tages, nach endlosen wiederholungen der wichtigsten ilona-lászló-szenen, mit den besten kolleginnen, die tino böckenhauer einladen konnte, war immer noch nichts entschieden, als ein kleines wunder geschah. es fehlte noch erika maroszán, eine kollegin aus ungarn, von der kaum jemand der anwesenden jemals etwas gehört hatte. die kleine tür, die in die gewaltige studiotür eingelassen war, öffnete sich zögerlich und in ihrem rahmen stand plötzlich – ilona. mit einem zauberhaften akzent sagte sie absurderweise: „guten tag, ich bin erika“, was sie im selben moment für alle anwesenden nicht mehr war. das folgende vorsprechen war reine formsache. nie wieder habe ich erlebt, dass eine schauspielerin dermaßen eins mit der von ihr zu spielenden rolle war. alle, wirklich alle, waren verliebt in sie.

Datum
Uhrzeit
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Title
Donnerstag, 28.10
22:45
Classic
Gloomy Sunday - Ein Lied von Liebe und Tod
Freitag, 29.10
17:30
Club
Gloomy Sunday - Ein Lied von Liebe und Tod

Lautlos

Lautlos - Poster 1

‚lautlos‘ ist beides: ein packender thriller und eine ungewöhnliche liebesgeschichte. joachim król brilliert in einer rolle, in der man ihn zuvor noch nie gesehen hat: als killer.

so steht es heute noch auf der website des X-verleih. ich hätte mich wohl selber nicht mit der rolle des auftragskillers victor besetzt, als ich nach meinem zweiten brunetti-tv-abenteuer einigermaßen frustriert und übergewichtig aus venedig zurückgekehrt war. victor musste schlank, muskulös, durchtrainiert, kurz, in top-form sein. was ich nicht war. aber für alles gibt es eine lösung. zwei trainerinnen wurden engagiert, ein zeit- und trainingsplan entworfen, und die transformation begann. nach ein paar monaten begannen sich die nachbarn wegen meines gewichtsverlusts nach meinem gesundheitszustand zu erkundigen, und kurz vor drehbeginn gab mir veronica ferres, als ich sie in münchen auf der straße ansprach, wortlos ein autogramm und ging ihrer wege. ich war nicht wiederzuerkennen. leider fand der film in deutschland kein großes publikum. kommentar eines guten freundes: „kein wunder, wenn dich keiner erkennt“.

Datum
Uhrzeit
Ort
Title
Freitag, 29.10
20:45
Classic
Lautlos
Samstag, 30.10
15:45
Club
Lautlos

You'll never walk alone

You'll Never Walk Alone: Die Geschichte einer Fußballhymne - Poster 1

„‘walk alone‘ wie die ‚scoucers‘, die echten liverpooler sagen würden, ist ein absoluter glücksfall in meiner laufbahn. eigentlich keine aufgabe für einen schauspieler, eher ein job für jemanden mit neugierde, kommunikationsfreude, reiselust und fussball- sowie theaterkompetenz. zufällig saß ich im auto des dokumentarfilmproduzenten andré schäfer aus köln, als er über die freisprechanlage ein telefonat entgegennahm und dem anrufer seine idee zu einem film über die welthymne ‚you‘ll never walk alone‘ und deren herkunftsgeschichte entwickelte. mein knapper kommentar, als er das gespräch beendet hatte, war: „wann immer das geschehen soll, da muss ich dabei sein!“ und genau so ist es gekommen. verteilt über ein gutes jahr haben wir versucht, an den verschiedensten orten mit den interessantesten gesprächspartnern der geschichte von ‚you‘ll never walk alone‘ nachzuspüren. von köln, budapest, wien, new york und los angeles für den theater- und musicalpart nach liverpool, herne und dortmund für den fussballteil. wochen voller inspirierender gespräche über theater, musik und fussball. ein geschenk, für das ich immer noch dankbar bin.“

Datum
Uhrzeit
Ort
Title
Freitag, 29.10
23:00
Classic
You'll never walk alone: Die Geschichte eine Fußballhymne
Samstag, 30.10
13:15
Club
You'll never walk alone: Die Geschichte eine Fußballhymne

Mackie Messer - Brechts Dreigroschenfilm

Mackie Messer - Brechts Dreigroschenfilm - Poster 1

es war mir seit jahren ein rätsel, warum sich niemand filmisch an diese herausragende figur der weltliteratur- und theatergeschichte gewagt hat. spätestens nach dem fall der mauer wäre es zeit gewesen für den großen brecht-film. brecht bietet alles. vom kreml bis zum carcrash. vom boulevard bis zum komitee für unamerikanische umtriebe. filmstoff en masse. umso mehr habe ich mich darüber gefreut, den peachum in joachim langs film „mackie messer – brechts dreigroschenfilm“, der eine besondere berliner episode um die premiere der „dreigroschenoper“ und deren geplante verfilmung zum thema hat, spielen zu dürfen. als teil eines wahnsinnsensembles. große ehre. und herausforderung. denn als sänger hatte ich mich in der vergangenheit nicht besonders hervorgetan. aber mit harter arbeit und der hilfe hervorragender musiker habe ich es, so will ich hoffen, respektabel hinbekommen. auf jeden fall hat es riesenspaß gemacht. wer sich fragt: „warum brecht? heute?“, dem sei folgende anekdote erzählt. peachum stattet männer und frauen fürs bettlergewerbe aus. und kassiert dafür. ein einträgliches, jedoch illegales geschäft. london 1837. für unseren film statteten unsere kostümdesignerinnen statisten ebenfalls als bettler aus, historisch. in einem alten gebäude am rande des korenmarktes in gent. von dort machten sich die komparsen auf den weg ans set. eines tages erschien die polizei. ihr war zur anzeige gebracht worden, dass seit ein paar tagen ganz normale leute ein gebäude mitten in der stadt beträten und kurz darauf dieses zerlumpt, als bettler, wieder verließen. das weise doch sehr auf gewerbsmäßige bettelei hin, die zu unterbinden sei. gent 2018. fast zweihundert jahre. die sensibilität für das elend ist nicht geringer geworden.

Datum
Uhrzeit
Ort
Title
Samstag, 30.10
20:00
Cinema
Mackie Messer - Brechts Dreigroschenfilm
Sonntag, 31.10
12:00
Club
Mackie Messer - Brechts Dreigroschenfilm

Der Junge muss an die frische Luft

Der Junge muss an die frische Luft - Poster 1

endlich wieder ein drehbuch von ruth toma. fast zwanzig jahre nach ‚gloomy Sunday‘. hape kerkelings kindheit und jugend in recklinghausen und umgebung. gerade mal sieben jahre älter, aufgewachsen im nur knapp zwanzig autominuten entfernten herne, waren mir zeit und millieu der erzählung sehr vertraut. überhaupt war ‚der junge muss an die frische luft‘ für viele beteiligten gewissermaßen ein ‚heimatfilm‘. die großartige besetzung hatte u.a. mit sönke möhring, hedi kriegeskotte, rudolf kowalski, katharina hinzen und meiner wenigkeit, schauspielerinnen und schauspieler aus der region zusammengebracht, was für den authentischen ton der inszenierung nicht unerheblich war. die wahl der drehorte und die phantastische ausstattung luden uns alle immer wieder zum erinnern und schwärmen ein. wobei es der regisseurin caroline link, deren regieleistung nicht hoch genug einzuschätzen ist, genau darum nicht ging. ihr ging es um die bemerkenswerte entwicklungsgeschichte eines sehr jungen menschen in einer umgebung, von der sie erzählen wollte. eine umgebung in all ihrer tragik und komik. und hier kommt der hauptdarsteller julius weckauf ins spiel. diesen jungen mann gefunden zu haben, kann man vielleicht als den größten glücksfall der jüngeren filmgeschichte bezeichnen. was er, natürlich immer in engster zusammenarbeit mit caroline link, auf die beine gestellt hat, ist einfach in hohem maß bemerkenswert. ich habe eine weile ‚gefremdelt‘ bei dem gedanken, zum ersten mal eine großvaterfigur anzunehmen. als caroline link davon hörte, soll sie auf einer produktionssitzung gesagt haben: ‚was soll ich machen, einen jugendlichen liebhaber kann ich ihm nicht anbieten!‘ wo sie recht hat, hat sie recht. mittlerweile ist opa willi einer meiner lieblinge, und die tage mit caroline und julius und all den anderen sind eine besonders schöne erinnerung.

Datum
Uhrzeit
Ort
Title
Samstag, 30.10
17:30
Classic
Der Junge muss an die frische Luft
Sonntag, 31.10
14:45
Club
Der Junge muss an die frische Luft