Was wurde ihm nicht alles nachgesagt: Enfant terrible, Provokateur, Sexist, Pornoregisseur und vieles mehr. Ja, Roland Reber war ein Provokateur im besten Sinne, einer, dem es um Gleichberechtigung und sexuelle Freiheit aller Geschlechter ging, der der Doppelmoral der Gesellschaft und deren Tabus einen Spiegel entgegensetzte. Er zeigte uns in seinen Filmen verborgene Kammern, verschlossene Räume, sexuelle Fantasien, unterdrückte Wünsche, Lust und Laster. Dabei öffnete er die Gedankenwelt der Menschen mit Gefühl, Poesie und Philosophie. Der Rebell fürs Leben arbeitete dabei immer als wirklicher Independent, der seine Projekte in der Gemeinschaft mit seinem Frauenkollektiv völlig unabhängig und ohne Fördermittel umsetzte. Seit 2005 sind Roland Reber und sein Kollektiv stetige Gäste der Filmtage, wo sie ihre Weltpremieren präsentierten. Roland Reber verstarb am 11. September 2022.

Die 56. Internationalen Hofer Filmtage widmen den unangepassten Filmemachern in diesem Jahr eine Hommage und zeigen in langjähriger Verbundenheit sechs Filme:

Leben und Wirken

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Roland Reber wurde 1954 als Sohn eines Zimmerers in Ludwigshafen geboren, absolvierte ein Schauspielstudium an der Schauspielschule Bochum und arbeitete als Schauspieler an verschiedenen Staatstheatern. 1981 gründete er als Autor und Regisseur in Hamburg das „TheaterPathologischeInstitut“ (wtp), aus dem 1988 das „Theater Institut“ hervorging und bis 1989 in der Schulenburg in Hattingen und am Heinz-Hilpert Theater in Lünen auftrat. „So wie in der Pathologie Leichen geöffnet werden, um die Ursache des Leidens festzustellen, will das Theaterpathologische Institut die Krankheit der Gesellschaft und des Theaters aufdecken“, definierte Roland Reber selbst die Arbeit.

Ab 1989 leitete er im Rahmen der Weltdekade für kulturelle Entwicklung der Vereinten Nationen und der UNESCO das „Welt Theater Projekt“, das aus Künstlern verschiedener Länder wie Jamaika, Deutschland und Indien bestand, die im jeweiligen Land zusammen ein Theaterstück entwickelten und aufführten. Zu dieser Zeit arbeitete Roland Reber als Regisseur und Autor in Indien, Russland, Ägypten, Mexiko und der Karibik, sowie als Dozent für Schauspiel und Regie in Moskau, New Delhi, Kairo und der Karibik.

1998 gründete er gemeinsam mit Mira Gittner und Ute Meisenheimer das wtp-Kollektiv aus dem später die wtp international Filmproduktion hervorging. Das Kollektiv drehte unabhängig und ohne jede Fördermittel Spielfilme, die es auch selbst in die Kinos oder auf DVD/Stream brachte. Der Beginn der wtp international Filmproduktion war auch eine Art Rückbesinnung auf Roland Rebers Anfänge – eben durch die Art und Weise, Filme zu inszenieren.

Filmografie

  • 1978 Der Fernsehauftritt, Kurzfilm
  • 1979 Ihr habt meine Seele gebogen wie einen schönen Tänzer, Spielfilm
  • 1998 Manuel, Kurzfilm
  • 1999 Der Koffer, Kurzfilm
  • 2000 Das Zimmer, Spielfilm
  • 2001 Sind Mädchen Werwölfe, Kurzfilm
  • 2002 Pentamagica, Spielfilm
  • 2003 The Dark Side of Our Inner Space, Spielfilm
  • 2005 24/7 – The Passion of Life, Spielfilm HOF 2005
  • 2007 Mein Traum oder die Einsamkeit ist nie allein, Spielfilm
  • 2009 Engel Mit Schmutzigen Flügeln, Spielfilm HOF 2009
  • 2011 Die Wahrheit der Lüge, Spielfilm HOF 2011
  • 2017 Der Geschmack von Leben, Spielfilm HOF 2017
  • 2019 Roland Rebers Todesrevue, Spielfilm HOF 2019
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„Die Art und Weise, wie wir die Filme produzieren ist unabhängig. Und dafür ist meiner Meinung nach der beste Weg der individuelle. Jeder Filmemacher sollte seinen eigenen Weg gehen. Förderung annehmen ist, sich in die Zwangsjacke von Richtlinien zu begeben. [...] Wir machen Filme mit geringem Budget, so dass wir selber produzieren können, und somit haben wir immer die volle Autorität über das, was wir machen.“

Roland Reber

Denn schon in seinem ersten Spielfilm ‚Ihr habt meine Seele gebogen wie einen schönen Tänzer‘ aus dem Jahr 1979 besetzte er die Rollen sowohl mit Profis, wie Ensemblemitgliedern des Schauspielhauses Bochum, als auch mit begabten Laienschauspielern. Das Drehbuch diente ihm als Vorschlag, die Schauspieler*innen und die Crew hatten gestalterisches Mitspracherecht, denn sie waren für den Regisseur eigenständige Künstler*innen, Mitgestalter*innen, mit denen er gemeinsam eine Idee umsetzen konnte. Das Ensemble ist mehr als nur die Summe der Einzelnen.

Diesem Gemeinschaftsgedanken ist Reber sein Leben lang treu geblieben. In den gemeinschaftlich entwickelten Filmen ging es um Themen wie Sinnsuche, die Abgründe der menschlichen Seele, sie klagten Bigotterie und repressive Moralvorstellungen an. Für seine Werke erhielt er mehrere internationale Auszeichnungen.

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„Provokation ist für mich kein Selbstzweck, aber sie setzt beim Zuschauer starke Gefühle frei. Die Filme sind nicht als kalkulierte Provokation gedacht. Wenn sie provozieren, dann sage ich immer, die Leinwand ist ein Spiegel. Es kann nichts anderes rausgucken, als was reinguckt. Und wenn sich jemand provoziert fühlt, würde ich es fast eine Selbstprovokation nennen.“

Roland Reber

Nach einem Schlaganfall im Jahr 2015 zog sich Reber immer mehr aus der Öffentlichkeit zurück, blieb aber bis zu seinem letzten Atemzug kreativ mit Spielfilmproduktionen wie „Der Geschmack von Leben“, „Roland Rebers Todesrevue“ sowie mit Buchprojekten.

Im letzten Jahr konnte er noch die Gründung des wtp-verlages mit anstoßen und eines seiner Herzensprojekte, die Gestaltung seines multimedialen Buches – „Gedichte. Gedanken. Geschichten von und mit Roland Reber“ realisieren, das 11.11.2022 im wtp-verlag erscheint.

Auch sein letzter Spielfilm „Roland Rebers Todesrevue“ feierte 2019 Premiere auf den Hofer Filmtagen und auch diesen Film präsentierte er selbstbewusst, schon im Rollstuhl sitzend, begleitet von seinem Kollektiv.

wtp international

Zur Internetseite der wtp international.

24/7 The Passion of Life

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24/7 The Passion of Life - Poster 1

Die Hotelierstochter Eva begegnet bei einer Motorradpanne zufällig der Soziologin Magdalena, die als Domina „Lady Maria“ in einem BDSM-Studio arbeitet. Von der bizarren Welt der Lady Maria fasziniert, begibt sich Eva auf die Suche nach ihrer eigenen Identität und Sexualität und beginnt eine Odyssee durch die verborgenen Orte der Lust – Domina-Studio, Swingerclub, Stripteasebar - und trifft auf in sich selbst zerrissene Gestalten wie Dominik, der das Leiden Jesu nachempfinden möchte, oder Mike, der sich Eva erst als ihr Reiseleiter durch die Welt der Lust vorstellt und sich dann doch in sie verliebt. Eine lyrische Studie über Obsession und Einsamkeit, über die geheime Lust und die öffentliche Moral.

Datum
Uhrzeit
Ort
Title
Mittwoch, 26.10
17:45
Central 6
24/7 The Passion of Life
Freitag, 28.10
17:00
Scala 2
24/7 The Passion of Life

Das Zimmer

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Das Zimmer - Poster 1

Die Ägyptologie-Studentin Sophie und der arbeitslose Schauspieler Christoph bewerben sich auf eine Chiffre-Anzeige in einer Tageszeitung: “Wer hütet mein Haus für sechs Wochen gegen gute Bezahlung?”. Beide erhalten, ohne voneinander zu wissen, eine Zusage. Im Haus angekommen begegnen sie sich zum ersten Mal. Die Regeln besagen, dass sie in dem Haus machen dürfen, was sie wollen. Nur ein Zimmer, das verschlossen ist, dürfen sie nicht betreten. Und die Nacht müssen sie im Haus verbringen.

Kaum haben sie die Aufgabe angenommen, ereignen sich seltsame Dinge im Haus. Die Hausbewohner sind sich sicher, sie werden beobachtet, manipuliert. Mehr und mehr projizieren sie ihre eigenen verdrängten Gedanken in das verbotene Zimmer. Zwischen Traum und Realität entwickeln sie ein Labyrinth der Emotionen…

Datum
Uhrzeit
Ort
Title
Mittwoch, 26.10
15:45
Central 4
Das Zimmer
Freitag, 28.10
14:45
Scala 2
Das Zimmer

Engel mit schmutzigen Flügeln

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Engel mit schmutzigen Flügeln - Poster 1

Drei Frauen – keine Moral. 'Moral ist nur die Entschuldigung all derer, die sich nicht trauen, ihre Wahrheit zu leben.' Michaela, Gabriela und Lucy sind Engel des Lasters. Auf ihren Motorrädern durchstreifen sie die Lande, um ihre Lust zu leben. Sie könnten viel sehen, aber sie sehen nur sich. Sie nennen sich selbst Engel. Aber es sind Engel mit schmutzigen Flügeln. Um ganz ins Exil-Paradies der Engel aufgenommen zu werden, muss Lucy erst noch vor sich und den anderen bestehen. Nur kastrierte Engel brauchen Moral. ENGEL MIT SCHMUTZIGEN FLÜGELN ist eine Hymne auf die Unmoral.

Als Gott die Welt erschaffen hatte, begann er sich zu langweilen. Und die Engel langweilten sich mit ihm. Und als er seine eigenen Gebote betrachtete, langweilte er sich noch mehr. Und die Engel mit ihm. Und als er viele von den Engeln zu Tode gelangweilt hatte, flohen die Überlebenden und leben jetzt unter den Menschen. Sie haben sich geschworen, sich nie wieder zu langweilen und nur ihrer Lust und dem Laster zu frönen. Und Gott sitzt weiter gelangweilt in seinem Paradies und wünscht sich, manchmal auch ein Engel zu sein.

Datum
Uhrzeit
Ort
Title
Donnerstag, 27.10
15:00
Scala 3
Engel mit schmutzigen Flügeln
Samstag, 29.10
15:45
Scala 2
Engel mit schmutzigen Flügeln

Illusion

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Illusion - Poster 1

Acht Menschen, die unterschiedlicher nicht sein können, treffen in einer Bar aufeinander. Für eine Nacht entfliehen sie ihrem in Ritualen erstarrten Alltag und begeben sich auf eine Reise in ihre Gedankenwelt, zu ihrer ureigensten Lust. Unterdrückte Wünsche, sexuelle Phantasien und Ängste kommen zum Vorschein und längst vergessene Erfahrungen wieder ans Licht. Der Abend nimmt seinen Lauf… Ein bildgewaltiger Reigen zwischen Realität und Illusion, ein Karussell der Emotionen mit spannenden Wendungen.

Ein Film über den Menschen und seine Verstecktheit, Verlogenheit und Alltäglichkeit.

„Schlimmer als jegliche Sehnsucht, ist, wenn man keine mehr spürt.“

Datum
Uhrzeit
Ort
Title
Donnerstag, 27.10
17:30
Central 4
Illusion
Samstag, 29.10
18:00
Scala 2
Illusion

Roland Rebers Todesrevue

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Roland Rebers Todesrevue - Poster 1

Was ist Leben? Ist es die Sehnsucht Liebender, die Angst vor dem Altern, der rebellische Kampf für ein würdevolles Sterben oder die Jagd nach den meisten Klicks? Ist es vielleicht nur eine Show? Der Film malt ein vielschichtiges Bild vom Sein und reiht das tabuisierte Thema Tod wieder in den Kreislauf des Lebens ein. In verschiedenen Handlungssträngen kreuzen sich eine ruinierte Liebesbeziehung, ein um Sterbehilfe bettelnder alter Mann, eine Live-Show, in der die Kandidaten gnadenlos dem Publikum geopfert werden, eine Tänzerin, die trotz Selbstoptimierung dem Altern nicht entrinnen kann und der Mensch mit der Maske, der um jeden Preis berühmt werden will. Und zwischen all dem rollt ein Leichenfahrer seine 'Kundschaft' durch einen langen Gang und macht sich seine eigenen Gedanken über Leben und Tod.

Datum
Uhrzeit
Ort
Title
Donnerstag, 27.10
22:00
Central 4
Roland Rebers Todesrevue
Samstag, 29.10
22:45
Scala 2
Roland Rebers Todesrevue

The Dark Side of Our Inner Space

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The Dark Side of our Inner Space - Poster 1

Tanja, Jessie, Anna, Marcus und Kai begeben sich in eine abgeriegelte ehemalige Militärkaserne, um das 'Große Spiel' zu spielen – ein Spiel abseits jeglicher gesellschaftlicher Normen und Grenzen.

“Willkommen in der Kaserne, die man Freiheit nennt Solange ihr draußen gewesen seid, musstet ihr euch den gesellschaftlichen Regeln beugen. Hier, in der Kaserne der Freiheit, gibt es keine Regeln. Wenn ihr welche braucht, dann schafft sie euch.“

Was ist Realität? Was ist Spiel? Wo sind die Grenzen? Wann geht das eine in das andere über? Jede Figur hat ihr eigenes Spiel, ihre eigene Variante, um einen Vorteil über die anderen zu bekommen: Jessie versucht es über die sexuelle Verführung, Anna über Machtausübung, Marcus durch Regelwerke, die er erlässt, Tanja, indem sie sich aus allem raushält. Kai ist das schwächste Glied in der Gruppe und wird bald jedermanns Opfer.

Auf der Suche nach dem 'Großen Spiel' verstricken sie sich immer mehr in ihre eigenen zwischenmenschlichen Spiele und werden langsam in die hinterhältige Nische ihrer eigenen inneren Räume gezogen. Was als harmloses Spiel beginnt, endet in einer allzu realen Tragödie.

Datum
Uhrzeit
Ort
Title
Mittwoch, 26.10
23:00
Central 4
The Dark Side of our Inner Space
Freitag, 28.10
22:00
Scala 2
The Dark Side of our Inner Space